Feed the Hungry an der syrischen Grenze

Update Mai 2015
Unsere Transporte nach Syrien seit 2013 gehen unvermindert weiter – auch ungehindert. Damit das so bleibt, wollen wir hier nicht ausführlich schreiben, um unsere Kontakte zu schützen. Die Sicherheitslage hat sich auch für unsere Kontakte extrem verschlimmert. Aber die Hilfsgüter kommen bei den Flüchtlingen an. Es ist oft die erste Mahlzeit seit Tagen. Immer wieder hören wir Erzählungen von den Menschen, wie sie brutal und unter Morddrohungen vertrieben wurden. Ihre Habe ist in diesen Fällen nur das, was sie am Leib tragen.

Im Hisbollah kontrollierten Viertel von Beirut traf ich Hunderte syrischer Flüchtlinge. Für die meisten ist es die Hölle auf Erden. Für die Moslems in diesem Viertel gelten sie als Verräter und Deserteure, weil sie ihr Land verlassen haben und nicht gegen die Rebellen gekämpft haben. Oder anders ausgedrückt, sie sind gegen Bashir El Assad. Poster vom syrischen Tyrannen hängen überall im Viertel. Plakate und Banner über den Strassen, die zum Dschihad, also zum Heiligen Krieg aufrufen. Ich wurde daran gehindert Aufnahmen zu machen. Doch mit unserer kleinen TV Kamera ging es doch hier und da. Mit einer grossen Kamera hier zu filmen würde an Selbstmord grenzen.

Die Flüchtlinge hausen – anders kann man es nicht beschreiben – in verschimmelten Räumen und müssen dafür 300 Dollar und mehr zahlen. Strom und Wasser kosten extra. Die Toiletten müssen nicht selten mit den Besitzern und Kunden von zahllosen Shops geteilt werden. Eine junge Familie – die Frau steht kurz vor der Entbindung des zweiten Kindes – kann die Miete nicht mehr bezahlen. Noch zehn Tage, dann müssen sie raus. Die Vermieter sind gnadenlos. Bis zu dreissig Tausend Flüchtlinge kommen jeden Tag und brauchen eine Unterkunft.Neue Mieter zu finden, stellt also kein Problem dar und sei es auch nur für so lange, bis auch denen das Geld ausgeht. Die Preise explodieren für die Flüchtlinge. Einen Säugling zu ernähren kostet hier etwa drei Dollar am Tag. Die meisten Eltern können dieses Geld unmöglich aufbringen. Wenn die Männer Arbeit finden, ist der Stundenlohn wesentlich niedriger als für die libanesischen Kollegen. Daran ändert auch der gemeinsame muslimische Glaube nichts. Viele Familien sagten mir, dass die Christen die Einzigen sind, die ihnen helfen. Also helfen wir weiter.

In Syrien selbst passiert Ähnliches. Millionen von Menschen, die im Land selbst auf der Flucht sind, werden vergessen und verhungern im eigenen Land. Doch Feed the Hungry ist es inzwischen möglich, direkt in Aleppo, einer stark umkämpften Stadt, zu helfen. Aufgrund eines Kontaktes, den ich neulich beim Treffen der Friedensnobelpreisträger knüpfen konnte, haben wir jetzt diese offene Tür zu diesen Menschen – ohne bürokratische Hürden. Gwyn Williams von Feed the Hungry England hat in den letzten Tagen mit vielen Freiwilligen einen 40 Fuss Container gepackt. Im Container sind neben Lebensmitteln auch Medikamente, medizinische Geräte und Decken, weil es kalt wird in Syrien. Es wird aber nicht bei dem einen Container bleiben. Weitere sind geplant und auch ich bin in der Planung für eine Reise nach Aleppo. Doch das Schöne bei dem ersten Container ist, dass er noch vor Weihnachten ankommen wird.

Jean-Pierre Rummens über seine Erlebnisse in Syrien 2014

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