News from the Field

Projekte
Born to be free – geboren um frei zu sein …

Freitag, 11. August 2017

Wie wir bereits im vergangenen Jahr berichtet haben, hat Feed the Hungry ein Projekt in Brasilien „adoptiert“, bei dem Drogensüchtigen die Möglichkeit gegeben wird, aus den Drogen auszusteigen, „Clean“ zu werden und wieder ein normales Leben in der Gesellschaft zu führen, anstatt auf der Strasse zu leben und so dem sicheren Tod entgegen zu gehen.
Heute möchten wir unserer Projektleiterin, Tabea Schneider, die Gelegenheit geben, Ihnen von der Arbeit unter den Strassenkindern und Drogensüchtigen Näheres zu erzählen:

Situation auf den Strassen São Paulos…
Seit 2012 lebe ich in São Paulo, der drittgrössten Stadt der Welt. Zuerst habe ich mich für Strassenkinder im gefährlichen Stadtviertel  „Crackland“ engagiert. Viele Kinder und Jugendliche halten sich dort mit Betteln oder Stehlen am Leben. Die meisten von ihnen sind Jungs im Alter von 7-20 Jahren. Da Heime überfüllt und die Wartelisten lang sind, kommen diese Kinder früher oder später alle mit Drogen in Kontakt und werden abhängig. Die Menschen im Crackland leben in miserablen Verhältnissen. Sie sitzen ausgehungert, dreckig und völlig mit Drogen vollgepumpt an den Strassenecken. Wer hier gelandet ist, endet schnell eines Nachts mit einem Kopfschuss in einer Gasse, sobald kein Geld mehr für die Drogenschulden aufgetrieben werden kann.

Handeln, bevor es zu spät ist…
Ich habe viel Trauriges gesehen und miterlebt und mein Wunsch wurde immer grösser, mich in die Drogenpräventions-Arbeit zu investieren. Es muss gehandelt werden, bevor die Menschen auf der Strasse landen und sterben. Mitte 2014 schloss ich mich dem Projekt Missão Resgate (bedeutet ‚Mission Errettung‘) an; es war 1998 in São Paulo gestartet worden. Der Fokus liegt auf der Präventionsarbeit im Stadtzentrum. Aufgrund der ständigen Zunahme an Drogenabhängigen wurde 2008 ausserhalb der Stadt eine Drogen-Reha eingerichtet. Dort können Männer ein neunmonatiges Therapieprogramm absolvieren. Viele therapeutische Drogen-Rehas in Brasilien nehmen bis zu 100 Personen gleichzeitig auf. Da es an der nötigen Einzelbetreuung fehlt, bleibt die Therapie meist erfolglos.

Das Therapieprogramm von Missão Resgate setzt dagegen weniger auf Quantität dafür vielmehr auf Qualität. Das neunmonatige Programm ist auf drei Phasen aufgebaut:

Phase 1: Entzug – Die erste Phase besteht aus körperlichem Entzug der Drogen, welche medizinischen Untersuchungen zufolge ca. drei Monate dauert.
Phase 2: Eingewöhnung – In der zweiten Phase geht es um Charakterbildung. Obdachlose sowie Drogenabhängige allgemein haben eine deformierte Persönlichkeit: Sie kennen weder Grenzen noch Anstandsregeln und sind oft ungeduldig, aufbrausend und aggressiv. Sie müssen den Umgang mit Menschen neu erlernen.
Phase 3: Wiedereingliederung – In der letzten Phase geht es um die Vorbereitung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Hier hat der Bewohner die Möglichkeit, einen dreimonatigen Kurs zu absolvieren und damit eine kleine Einführung in einen von drei Berufen zu erhalten: als Informatiker, Gärtner oder Elektriker.

Familienbegleitung und Gesundheitsprävention
Ich selber bin verantwortliche Leiterin für den Standort im Stadtzentrum. Dort führen wir im Team die Aufnahmegespräche für die Reha durch und sind zuständig für die Familienbegleitung der Reha-Bewohner. Nebst der Drogen-Reha und der Familienbegleitung bieten wir Gesundheitsprävention auf der Strasse an (Blutdruck und Blutzucker messen, Informationen über Krankheiten weitergeben).

Präventions-Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (mit Kursen wie Gitarrenunterricht, Informatik, Selbstverteidigung, etc.) ist ein weiterer Zweig unserer Arbeit.

Das genialste an meiner Arbeit ist, wenn ich sehe, wie Menschen echt befreit werden. Menschen, die jahrelang unter Alkohol- oder Drogensucht gelitten haben. Es gibt nichts Schöneres als zu sehen, wie die Männer aus der Drogen-Reha ein Leben in Freiheit beginnen! Einige von ihnen sind nun sogar freiwillige Helfer im Projekt und in der Reha!

Auch im Namen unserer Projektleiterin möchten wir Ihnen ganz herzlich für Ihre Unterstützung für dieses wichtige Projekt danken! Nur mit Ihnen ist es uns möglich, diesen Menschen nachhaltig zu helfen und sie aus einem Leben auf der Strasse zu retten. Vielen Dank!

Für mehr Infos sowie Spendenmöglichkeit bitte hier klicken!

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